Coole Kids tragen keinen Thorshammer

Auf Festivals von Metal bis Punkrock ist er auf T-Shirts oder am Hals getragen zu sehen: der ThorsHammer (oder auch Mjölnir). Der ThorsHammer steht für einen Rückgriff auf vorchristlich-germanische Mythen. Dem Mythos nach soll er dem Kriegsgott Thor zum Zurückschlagen von Feinden gedient haben. Weit verbreitet ist der Bezug auf neuheidnische (also vorchristliche) Mythen und das Tragen von Symbolen wie dem ThorsHammer auch in der extrem rechten Szene.

Der Bezug auf vorchristliche Mythen hat die Funktion ein Gefühl von Gemeinschaft zu stiften. Diese Gemeinschaft fußt im Falle des »nordgermanischen« Mythos auf einer Identifikation mit einem Weltbild, dass von stabilen Kräften geordnet wird. Thor sorgt mit dem Hammer für Ordnung, der für unbändige Macht steht, während der Gott Odin überaus weise ist und über ein achtbeiniges Pferd (Sleipnir) und einen Speer verfügt, der nie sein Ziel verfehlt. Göttinnen haben in der Regel ihren festen Platz als Gefährtinnen und Gehilfinnen von Männern. Aus Ragnarök, dem Endkampf von Göttern und Weltfeinden, entsteht eine völlig neue Welt. Die Autoritäten sind klar verteilt und es ist auch klar, was die Zukunft bringt, ein Versprechen, dass in Zeiten von Individualisierung und einem Auseinanderdriften vertrauter Strukturen als Rückzugsort dienen kann.

Die »nordgermanische« Mythologie ist dabei allerdings ein Rückzugsort, der alles andere als emanzipatorisch ist. Diese Kritik konzentriert sich auf seine Funktion als vergemeinschaftender »Religionsersatz«, der soziale Wirklichkeiten verschleiert, und seine Starrheit, insbesondere was die Geschlechterordnung und den Bezug auf Stärke und Gewalt als einzig legitimem Mittel zur Erhaltung von Macht angeht. Die klare Rollenverteilung entspricht nicht einem Weltbild, wie wir es uns wünschen.

Nicht zuletzt sind die Übergänge vom Bezug auf eine straffe Weltordnung, die Treue, Kraft und Stärke religiös überhöhen, bis hin zur Postulierung eines germanischen Erbes, dass die Grundlage für die Konstruktion einer arischen Rasse bildet, die diese Werte angeblich verkörpert, fließend. Für die extreme Rechte ist der Rückgriff auf das Neuheidentum auch ein Instrument um sich von einem »Judä-Christentum« abzugrenzen.

Offensichtliche Bezüge zum »nordgermanischen« Mythos sind in der rechten Szene oftmals anzutreffen, Beispiele hierfür sind etwa die Rechtsrock Band »Sleipnir« oder die im Vogelsberg ansässigen »Berseker Kirtorf« (Berseker sind laut Mythos unverwundbare Krieger).

Dies bedeutet nicht, dass alle, die in der nordgermanischen Mythologie eine lohnende Identifikationsfläche zu sehen meinen, Nazis sind. Allerdings sollte alleine die Verbreitung von ThorsHämmern und Runen auf Nazi-Demos zum kritischen Nachdenken darüber anregen, warum vielleicht gerade dieser Mythos sich für eine solche Rezeption anbietet.

In der links-alternativen Subkultur kann es leider nicht als Konsens betrachtet werden, dass solchen Symbolen der »nordgermanischen« Mythologie auf Veranstaltungen ein Platzverweis erteilt wird – nicht nur auf Grund der Verwendung in der extrem rechten Szene.

antifaschistische gruppe 5 | stressmob Marburg

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