PM vom 2.5.2012: Neonazi spricht bei Burschenschaft Rheinfranken

Mit dem ersten Vortrag im neuen Semester zeigt die Burschenschaft Rheinfranken Marburg erneut, wo sie politisch steht. Am kommenden Freitag, den 04. Mai 2012 soll Manuel Ochsenreiter zum Thema „Angriff auf Assad – Was steckt hinter dem Aufstand in Syrien?” sprechen.

Seit 2010 ist Ochsenreiter Chefredakteur der neonazistischen Monatszeitschrift „Zuerst!“. Die „Zuerst!“ sieht sich nach eigenen Angaben den „Lebens- und Überlebensinteressen des deutschen Volkes“ verpflichtet. Sie erscheint zudem in der Verlagsgruppe „Lesen und Schenken“ aus dem Hause Dietmar Muniers, welcher einer der bedeutendsten Verleger für neonazistische, rassistische und antisemitische Literatur ist.

Manuel Ochsenreiter ist weiterhin Chefredakteur der „Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ), ebenfalls aus der Verlagsgruppe Muniers, die 2008  sogar von der damaligen Bundesregierung als extrem rechts eingestuft wurde [1].

Ochsenreiters Artikel sind auch in anderen rechtsnationalen bis offen neonazistischen Blättern zu finden, die „Junge Freiheit“ und das neurechte Jugendmagazin „Blaue Narzisse“ sind nur zwei einschlägige Beispiele. Diese Aufzählung macht deutlich, dass es sich bei diesem Redner um eine wichtige Person für die neonazistische Szene handelt.

„Das Gerede von den ‚Überlebensinteressen des deutschen Volkes‘ ist eine unsägliche Anspielung auf die Vernichtungspolitik der nationalsozialistischen Terrorherrschaft. Dass Redner wie Ochsenreiter auf dem Haus der Rheinfranken sprechen sollen, zeigt wieder einmal deutlich, dass diese keinen Hehl aus ihrer neonazistischen Einstellung machen.“, empört sich die Pressesprecherin der antifaschistischen gruppe 5, Sophia Stern. „Wir bleiben bei der Forderung nach einer endgültigen Auflösung dieser Bünde!“

Seit Jahren wird die Rückwärtsgewandtheit des Verbindungswesens kritisiert und insbesondere Burschenschaften vertreten allzu oft ein offen extrem rechtes Weltbild. Die antifaschistische gruppe 5 kritisiert auch deswegen ausdrücklich den alljährlichen Marktfrühschoppen, ein gemeinsames Biertrinken von Stadtteilgemeinden und Verbindungsstudenten.

Sophia Stern konstatiert: „Auch am ersten Juliwochenende dieses Jahres treffen sich wieder Konservative und Nazis auf dem Marktplatz. Es zeigt sich schon jetzt, dass die Verantwortlichen über ein Lippenbekenntnis nicht hinauskommen. Deshalb wird das Besäufnis auf dem Marktplatz auf massiven Widerstand stoßen.“

Aus gegebenem Anlass hier unser Reader zum Marburger Verbindungswesen:

1) Bundestag Drucksache 16/9550 vom 12.06.2008 (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/095/1609550.pdf)

Nachtrag: Liebe Oberhessische Presse, es gibt in Marburg keine “antifaschistische gruppe lisa 5″. Es gibt die “antifaschistische gruppe 5″ oder ag5 (das sind wir) und die Gruppe “lisa:2″. Letztere trägt den Beinamen antisexistische und antifaschistische Gruppe. Die Kurzform einer antifaschistischen, autonomen oder/und linksradikalen Gruppe lautet oftmals Antifa-Gruppe und nicht Anti-Gruppe.