Nazibrandanschlag in Dautphetal

In der Nacht zum Dienstag, dem 19.2. wurde auf ein Wohnhaus in Dautphetal, in der Nähe von Marburg, ein rassistischer Brandanschlag verübt. Nur mit Glück wurde niemand verletzt, da der Brand an der Holzfassade rechtzeitig bemerkt wurde.Über die Reaktionen und die für den 1.3. geplante Demonstration gibt es hier einige Informationen. Nur mit Glück wurde niemand verletzt, da der Brand an der Holzfassade rechtzeitig bemerkt wurde. Zuvor wurde mit großen Buchstaben das Wort „Hass“ an dass Gebäude geschmiert, die beiden S als gezackte Runen gestaltet. Mehrere Augenzeugen sahen die bislang unbekannten Täter mit „Ausländer raus“ – Rufen davonlaufen.

Der Bürgermeister Bernd Schmidt (Freie Wähler) von Dautphetal kommentiert, er sei „hart schockiert“, dass es ausgerechnet diese Familie getroffen habe, da ihr türkischer Migrationshintergrund „nicht erkennbar gewesen, so eingepasst sind sie“. Auch RTL betonte im zweiten Satz der Berichterstattung, wie integriert die Familie sei. So als ob „nicht-integrierte Ausländer“ (was immer das ist) halt mit der Bedrohung von Leib und Leben rechnen müssten.

Statt von Integration zu schwafeln, kam es linken Gruppen und dem DGB darauf an, Solidarität mit der betroffenen Familie und allen Opfern rechter Gewalt zu zeigen und gegen Rassismus ein deutliches Zeichen zu setzen. Unter diesem Motto meldete der DGB am Samstag, den 1.3. um 13.15 eine Demonstration in Dautphetal an.

Doch die Gemeinde zeigte sich wenig begeistert. In der Sitzung der Gemeindevertretung sechs Tage nach dem Anschlag wurde nach der überregionalen Berichterstattung Betroffenheit gezeigt und viel von guter Nachbarschaft und Gemeinschaft gesprochen. Doch eine von Außen organisierte Demonstration brauche man nicht, schließlich habe man gar keinen Rassismus, so der Bürgermeister des Örtchens Bernd Schmidt.

Auch der Sprecher des Innenministeriums kommentierte kurz nach der Tat: „Die Umstände und Motive, die zu dieser Tat führten, müssen jetzt so schnell wie möglich aufgeklärt werden. (…) Ausländerfeindliche Straftaten und Übergriffe haben in Hessen bislang noch nie einen Nährboden gefunden, und das wird auch künftig so bleiben.“ Vergessen ist, dass es in Gladenbach im Jahr 2004 mehrere Nazi-Aufmärsche gab, bei denen bis zu 150 Nazis aus dem Umland, kaum einer älter als 18 Jahre, gekommen waren. Dank entschlossener antifaschistischer Mobilisierungen wurden sie allerdings zum Debakel für die Nazis. Vergessen ist auch, dass selbst die Landesregierung Hessen, die selbst durch rassistischen Wahlkampf auffällt, die Zahl der „Rechtsextremisten“ in Hessen auf über 3000 schätzt. NPD Mitgliederzahlen wachsen an und sie vermutet mindestens 750 gewaltbereite Neonazis.

Vergessen wird, dass in einigen Kreistagen die NPD, DVU und REPs Einzug erhielt, dass im hessischen Hinterland rechte Zentren bestehen, Jugendliche bedroht werden usw. Statt dessen wird wie üblich von allen Seiten betont, Rechtsextremismus und Gewalt gebe es nicht. Doch kaum wurde die Demo bekannt, schon meldeten Nazis (in Person des durch seine Gladenbach und Marburg Debakel reichlich gescheiterten Nazis Manuel Mann) eine Gegendemo an. Dies freilich wollte die Gemeinde erst nicht zugeben. Nun hat sich der Bürgermeister von beiden Veranstaltungen distanziert.

Am heutigen Freitag schrieb das konservative Lokalblatt Oberhessische Presse, auch die betroffene Familie hätte sich von der Soli-Demo distanziert, was völlig falsch ist. Das Anliegen der Familie ist nach wie vor zu zeigen, dass Rassisten das Problem sind und nicht die Frage, wer wie „integriert“ ist. Außerdem soll auch an die anderen TürkInnen und Menschen überall her gezeigt werden, dass es viele Leute gibt, die sich mit den Opfern rassistischer Gewalt solidarisieren.

Die Demonstration beginnt am Samstag, den 1.3., um 13.30 Uhr am Bahnhof Friedensdorf und führt in die Ortsmitte. In Marburg ist der Treffpunkt um 12.15 Hbf.