Rede: Autonome Nationalisten

Redebeitrag der antifa Gruppe 5 zur Kundgebung am 8. Mai

Mit unserem Redebeitrag heute am 61. Tag der Befreiung vom Nazifaschismus, versuchen wir ein wenig auf einen Trend innerhalb der deutschen Naziszene einzugehen, der ständig an Bedeutung gewinnt, auf die sog. Autonomen Nationalisten.

Schon seit Jahren versucht die Naziszene mit immer neuen Projekten das Image des Baseballschläger schwingenden und ständig betrunkenen Boneheads loszuwerden. Dieses Image des gewalttätigen Glatzkopfs das durch die Brandanschlagsserie Anfang der Neunziger noch vestärkt wurde, haftet ihnen in der Öffentlichkeit an und behindert sie in ihrer Rekrutierungsarbeit. Dieses Problem haben die Nazis trotz ihrer inhaltlichen Zustimmung zu Brandanschlägen und Gewalt, längst erkannt. Schon seit Jahren versuchen sie in, auf teilweise unpolitisch erscheinende Art und Weise ihre Ideen in andere Bereiche der Jugendsubkultur zu tragen. Dies ist ihnen schon in einer Menge Fällen ohne nennenswerte Gegenwehr Gelungen, boten diese Subkulturen doch genug anknünpfungspunkte. Skinheads, Grufties, Metaller, Fans der martialischen Electric Beat Musik, sowie Esoterische Neofolkler haben ihren Platz in der Nazikultur genauso wie Fans des rechten Hatecore. Das Bild ist schon lange differnzirter als es dem Durchschnitsbürger bewußt ist. Und nun auch noch autonome Nationalisten. Schwarze Baseballmützen, palestinensertücher,schwarze Klamotten, mit denen die Autonomen der linken Szene, den Mythos des kämpferischen blac block begründeten, werden nun genauso von den Nazis übernommen wie linke Parolen aus dem antiimperialistischen Spektrum. auf Englisch der Sprache der so verhassten Besatzer und in Graffitischrift präsentieren sie ihre Botschaft auf Transparenten und Spuckis und Innternetseiten. Aktuelle Nazidemos dürften für den unbeteiligten Menschen oft nur schwer von linken zu unterscheiden sein. Was das ganze soll wird klar wenn mensch sich Diskussionen und Stellungnahmen im Netz anschaut.Auszumachen sind 3 Argumentationslinien.:

1. Geht es darum linke Methoden in der Auseinandersetzung mit der Obrigkeit zu übernehmen, um aus einer gefühlten Defensive herauszukommen. Zum Beispiel bei Demosverboten und vorallendingen in der Auseinandersetzung mit Antifaschistinnen. Der Angriff auf Andersdenkende funktioniert halt verfolgungsfreier wenn vermummt agiert wird.

2. Indem die Nazis ihr äusseres linken Kleidungscodes anpassen, nehmen sie der engagierten Öffentlichkeit die Angriffsfläche. Wo es früher von Lehrern, Kneipenpersonal oder Passanten eventuell noch Gegenwehr und Einmischung gab, können sie jetzt unerkannt verweilen und agieren, entsprechen sie doch nicht mehr dem Klischee des Bomberjacken tragenden Gewalttäters.

3. Argument ist der Versuch einer Querfront zwischen Rechts und Links. Dieser Querfrontgedanke wiederrum ist nichts neues, propagierte doch schon die Nationalistische Front vor zwanzig Jahren: „Die Grenze verläuft nicht zwischen rechts und links, sondern zwischen oben und unten“. Die Anknüpfungspunkte sind leider nicht komplett haluziniert. Finden sie doch in einem Großteil der Deutschen Linken Freunde der leichten Erklärungen. Vergleiche zwischen Georg Bush und Hitler, zum Beispiel,sind auf auf jeder Friedensdemo zu finden. Ihr notorischer Antimerikanismus und Antisemitismus lässt sich schließlich ganz wunderbar in Antikriegsparolen und Palestinensersolidarität kanalisieren.

Auf ernsthafte Antifaschistinnen mag das ganze ziemlich lächerlich klingen, Autonom und Nationalist, Querfront gegen das Kapital, rechter Antiimperialismus und das ganze ziemlich armselig und durchsichtig zusammenargumentiert. das klingt so doof das mensch sich dazu verleitet fühlt den Käse rechts liegen zu lassen und die Karawane weiterzutreiben. Aus unserer Sicht wäre eben dieses Verhalten ein Fehler. Das die Faschos mit ihren Querfrontphantasien bei allen glaubhaften Linken auf Granit beissen dürften, sollte klar sein. Szenarien in denen sie auf antifaschistischen Demos unerkannt fotografieren und recherchieren können sind umso realistischer. Auch die Situation in der schwarz vermummte Nazis lange, von Antifas unnerkannt, im Vorfeldt von Demos sich an Bahnhöfen sammelten um dann später Gruppen von Linken anzugreifen, gab es schon öfters. Diese Szenarios sind für Linke längst zur ernsthaften Gefahr geworden und stellt eine neue Qualität der Bedrohung von rechts dar, hier darf nicht verharmlost werden. Gegenmaßnahmen und Kreativität sind hier von linker Seite gefragt. ZB. solten einmal die verlotterten Demositten überdacht werden. Wo es früher noch quotierte Demoblocks, mit Ketten und festen Bezugsgruppen gab, herscht heute oft ein heiloses durcheinander das es uns unmöglich machen kann, Nazis zu identifizieren und aus der Demo zu schmeissen. Fotohandys und Digitalkameras sind zu einer ständigen Unsitte auf Demos und Aktionen geworden. Hier sind die Organisatorinnen und Ordnerinnen zukünftiger Demos verstärkt gefragt. Am Ende können wir ja auch alle den liebgewonnenen schwarzen Kapu im Schrank lassen und in weiss kommen das hat den gleichen Effekt. Also Phantasie ist gefragt, Phantasie und Kreativität, dann klappt das auch mit dem Nachbar und mit dem vermummten Nazi von nebenan.

Zum Schluß möchte ich noch etwas sagen, was mit dem Thema nicht direkt etwas zu tun hat. Weil es mich bewegt hat und weil ich dazu von fortschrittlicher Seite noch nicht viel gehört habe. Zu dem Vorfall in Potsdam. Da haben also zwei Rassisten einen Schwarzen ins Koma geprügelt. Die Statsanwaltschaft hat unter dem Eindruck der nahenden Weltmeisterschaft und dem Versuch Deutschland als ein Land von gastfreundlichen Volksgenossen darzustellen, einen selten gesehenen Aufwand betrieben um die Täter zu faßen. Im Zuge der Ermittlungen haben sie sogar die Stimmen der beiden Täter, die die Freundinn des Opfers während des Überfalls aufgenommen hat, ins Netz gestellt. Zu verstehen ist fast nichts, ausser zwei Sätze: „Na du scheiss Nigger“ und: „Haste Angst Nigger?“. Schrecklich genug, jetzt hat Herr Schönbohm in der Öffentlichkeit eine Diskussion begonnen in der er den Ermittlungsaufwand kritisiert und den rassistischen Hintergrund des Angriffs bezweifelt. Als Argument von Schönbohms Seite wird immer genannt das den Tätern keine Mitgliedschaft in einer rechtsextremen Organnisation, nachgewiesen werden konnte. Als ob dies das einzige Erkennungskriterium für einen echten Rassisten ist. Bleibt für mich die Frage wie für Herr Schönbohm so ein echter rassistischer Überfall aussieht? Wenn mich jemand scheiss Nigger nennt und mich danach grundlos ins Koma prügelt, könnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass das irgendwie rassistisch gemeint war.

Um das gesamtdeutsche Gruselbid zu kompletieren hat die Tasschau zu ihrem Beitrag noch mehrere Menschen aus Potsdam zu ihrer Meinung zum Überfall befragt. Gezeigt wurden drei. Der erste faselte was vom lieben Potsdam was eigenlich nicht so ist und das er sich garnicht vorstellen kann, das die Täter von hier sind. Der zweite sagte wörtlich: „Man müsse ja nicht jeden mögen, aber ihn gleich ins Krankenhaus prügeln is auch nicht ok.“ Also Schwarze doof finden ist ja verständlich, aber gleich verhauen nö. Die dritte Person erzählte was von Toleranz, Standardsprüche halt. Toleranz die Herr Schönbohm bestimmt auch ganz toll findet. Toleranz, Toleranz immer wieder diese bürgerliche Begriffsverwirrung. Toleranz beedeutet etwas Ertragen etwas Erdulden. Wie sieht das aus im praktischen Leben? Ich geh also als deutscher Bürger über die Strasse da kommt mir auf der anderen Seite so in Neger entgegen. Es ist zwar hart für mich und es schmerzt, aber ich ertrage ihn, ich habe mich tolerant gezeigt, wunderbar. Bei der nächsten Lichterkette, bin ich dabei.

Bei so einem Gesamtbild gibt es nur eins:

Kein Ertragen und kein Tolerieren von Deutschland und seiner Idiotenbesatzung.

Gegen die Faschos, ob Autonom oder nicht.

Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln.

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