Flyer: Nazis in Alsfeld

Zum wiederholten male wurde von Naziattacken, auf alternativ gekleidete Jugendliche, in Alsfeld und Umgebung berichtet und an Alsfelder Schulen kann mensch die örtlichen SympatisantInnen von NPD und Rassenhass im Dutzend antreffen. Die einheimische deutsche Bevölkerung mag das noch nicht so recht stören. Vielleicht bedarf es ja erst des Fernsehens (wie im falle Kirtorf) um das Problembewusstsein zu steigern. Es ist immer das gleiche Elendsbild, faschistische Umtriebe kommen erst dann zur Sprache wenn sich der Einheimische in seinem ganz privaten Umfeld gestört fühlt, durch grölende Nazihorden, Gegendemonstranten, oder sei es nur durch die Presse, die das ach so schöne Heimatstädtchen in den Dreck ziehen will.
Das in der rausgeputzten Alsfelder Innenstadt, am „Weinhaus“ (direkt neben dem Rathaus) ein Relief angebracht ist das Großdeutschland plus verlorene Ostgebiete zeigt und das, auf der unten drunter angebrachten Tafel, über das Elend der deutschen „Heimatvertriebenen“ gejammert wird, passt da nur zu gut ins Bild vom braunen Provinzstädtchen. Bei so einem Geschichtsverständnis ist der gedankliche Brückenschlag zu prügelnden Glatzennazis offensichtlich. (Die örtlichen Stadtoberen werden sich, mit einem Verweis auf ihre demokratische Gesinnung, gegen diese Gleichsetzungen verwehren). Faschisten aber existieren nicht im luftleeren Raum, sie sind von keinem anderen Stern, sie kommen aus der Mitte dieser Gesellschaft. Sie sind ein Produkt des gesellschaftlichen Klimas, dass z.B. von solchen, oben genannten Mythen des aus seiner „Heimat“ vertriebenen „Volksdeutschen“ Opfers der Geschichte beherrscht wird. Die Tatsache dass, Schlesien, Sudetenland und die ganzen schönen Herrenhäuser auf denen die „OstarbeiterInnen“ ihre Sklavenarbeit verrichten durften, nicht mehr zum Reichsgebiet gehören, etwas mit der Selbstverschuldeten Geschichte zu tun hat, wird allzu gerne ausgeblendet.
Dass die Deutschen im Zuge ihrer kollektiven Wahnvorstellungen, die Welt mit Krieg und Rassenhass überzogen haben und allein 20 Millionen RussInnen abgeschlachtet haben, wird in diesem Zusammenhang allzu oft vergessen. Seit ein paar Jahren ist ihn der halbintellektuellen Öffentlichkeit das Thema der „Geschichtsbewältigung“ in mode und das Fernsehen wird nicht müde, die von Guido Knopp (ZDF-Chefhistoriker) zugunsten der Deutschen vereinfachten Wahrheit, vom verführten Opfervolk zu wiederholen.
Da ist von den Alliierten Verbrechen des Bombenterrors die Rede, vom Feuersturm in Hamburg, vom Mütterlein im Bombenkeller, vom armen Kind aus Ostpommern, das von blutrünstigen sowjetischen Tieffliegern barfuss über Eisschollen gejagt wird und jetzt in Alsfeld, Hessen sitzt und die verlorene Heimat beweint.

Was das ganze bewirkt ist klar: Themen wie u.a. dieses die noch vor 15 Jahren im rechtsradikalen Bereich angesiedelt waren, sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Was Nazis seid Jahren propagieren, ist jetzt gesellschaftsfähig und kann von eben diesen Nazis, noch unproblematischer als Argument zur Relativierung der deutschen Schuld genutzt werden.

Sie können sich der Zustimmung eines großen Teils der Gesellschaft, mit all ihren Opfergedenktafeln, Vertriebenenverbänden und Kriegerdenkmälern sicher sein. Diese Gesellschaft der angeblichen Opfer, die durch den selbstverschuldeten Krieg so traumatisiert ist, dass sie jahrzehntelang nicht darüber reden konnte und wollte, wer sich an dem Eigentum deportierter Juden und Jüdinnen bereicherte, die Gaskammern bediente und in Sowjetrussland einmarschierte um den Untermensch zu unterjochen (nämlich der deutsche Normalbürger) und heute noch nicht im Stande ist sich zur uneingeschränkten Schuld an der größten Barbarei dieses Jahrhunderts zu bekennen, eben diese Gesellschaft ist den Nazis näher als sie glaubt. Diese geistige Verfasstheit verleitet allzu leicht dazu, bei weiteren, faschistischen Übergriffen wegzuschauen, oder zu verharmlosen, ist man sich inhaltlich doch so nahe! Aufgeklärte Menschen sollten sich mit diesen Zuständen nicht zufrieden geben und organisierten Antifaschismus in Alsfeld und anderswo schaffen!

Deutsche Täter sind keine Opfer!
Kein vergeben, kein Vergessen!
Organisiert die Antifa, auch im Hinterland!

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