PM vom 14.11.2011: Wieder neonazistischer Vortrag bei Marburger Burschenschaft

Der durch fremdenfeindliche und homophobe Äußerungen bekannte ehemalige CDU-Politiker Henry Nitzsche soll am 24. November 2011 zum Thema „Europa in der Krise – Gefahr oder Chance für Deutschland?“ auf dem Haus der Marburger Burschenschaft Rheinfranken sprechen.

Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche geriet 2006 in die Schlagzeilen, weil er auf einer Parteiveranstaltung riet „endlich vom [deutschen] Schuldkult runterzukommen“ und forderte „Deutschland nie wieder von Multikulti-Schwuchteln in Berlin regieren zu lassen“. Obwohl die NPD ihn gerne aufgenommen hätte, gründete er stattdessen nach seinem CDU-Austritt die Wahlliste „Arbeit-Familie-Vaterland“. Eine Parole, die 2004 Motto des Bundesparteitages der NPD war. Nitzsche kündigte außerdem 2008 seine Teilnahme als Redner auf dem „Anti-Islamisierungskongress“ in Köln an. Der Kongress wurde wegen seiner rassistischen Inhalte durch Antifaschist_innen verhindert und Nitzsche konnte nicht auftreten.

Auch in den Vertriebenenverbänden machte er sich 2006 einen Namen, indem er in einer Ansprache von „Mitteldeutschland“ und „slawischen Vertreibungsplänen“ schwadronierte. Der Zentralrat der Juden in Deutschland fragte daraufhin: „Wie soll man die ,demokratische Unmöglichkeit‘ der NPD noch glaubhaft machen, wenn […] Bundestagsabgeordnete dasselbe sagen?“

Pressesprecherin der ag5, Sophia Stern stimmt dieser Bewertung ebenfalls zu: „Die Marburger Burschenschaft Rheinfranken wird ihrem Ruf einer neonazistischen Kaderschmiede wieder einmal gerecht. Redner_innen, die offen rassistische, fremdenfeindliche und geschichtsverdrehende Parolen auf NPD Niveau äußern, stoßen dort auf offene Ohren. Ob Redner_innen nun in der NPD organisiert sind, oder nur deren neonazistische Inhalte wiedergeben, bleibt dabei egal. Dass Henry Nitzsche aber 7 Jahre im Deutschen Bundestag saß, zeigt nur zu gut die Verwurzelung von völkischen Ideologien in der Gesellschaft!“

Die Burschenschaft Rheinfranken ist in der Deutschen Burschenschaft (DB) organisiert, einem Dachverband, der regelmäßig für Negativ-Schlagzeilen sorgt. Die Forderung nach einem „Arierparagraphen“ bei den Aufnahmebestimmungen der Burschenschaften löste beispielsweise in jüngster Zeit bundesweit Empörung aus. Auch die Rheinfranken selber sorgen regelmäßig mit ihren extrem rechten Vorträgen und Flyern für Aufsehen.

Stern dazu: „Die Marburger DB-Verbindung zeigt wieder einmal ihre Nähe zu extrem rechten Positionen. Dass es sie immer noch gibt und sie nicht nur im Marburger Verbindungsmilieu zahlreiche Kontakte unterhält, ist erschreckend und für uns ein deutliches Zeichen, warum die öffentliche Kritik an Studentenverbindungen im Allgemeinen und der DB im Besonderen nach wie vor notwendig ist. Nach wie vor ist unsere Forderung nach Auflösung dieser neonazistischen Strukturen aktuell.“