Grenzgang in Biedenkopf?

Rassistisches „Volksfest“ in Biedenkopf – Grenzgang abschaffen!
Alle sieben Jahre feiert die Stadt Biedenkopf mit zahlreichen Gästen aus umliegenden Gemeinden ihren traditionell-rassistischen Grenzgang. Auch dieses Jahr werden vom 16.-18. August wieder rund 15.000 Bürger_innen zusammenkommen, um in einem aufwendigen Prozedere drei Tage lang die Ortsgrenzen von Biedenkopf abzulaufen und dabei in geschichtsträchtiger Manier sexistische und kolonial-rassistische Traditionen aufleben zu lassen. Burschenschaften und Männergesellschaften organisieren den kompletten Ablauf des Festes, ziehen in einem militaristischen Aufmarsch als erstes und zunächst auch allein durch die Stadt. Unverheiratete „Mädchen“ und verheiratete „Damen“ sind als Beiwerk erst ab der zweiten Stadtrunde zugelassen. Danach wird in verschiedenen Abschnitten die Ortsgrenze begangen. Neben Militär und Männlichkeit verherrlichenden Rollen, wie dem „Führer“, „Hauptmännern“, „Obersten“ und peitschenknallenden „Wettläufern“, spielt der sogenannte Mohr eine ebenso wichtige Rolle. Dafür wird ein weißer Mann schwarz angemalt, mit einem schwarzen Vollbart, Krummsäbel und einer schwarzen Uniform mit goldenen Knöpfen ausgestattet. Dieser „Mohr“ führt während des Spektakels „tänzelnd“ den Zug an. Er verkörpert somit, was gemeinhin als Schwarze Attitüde  angenommen wird. Wie der Grenzgangsverein freimütig zugibt, waren Vorlage für die Symbolfigur des „Mohren“ Schwarze Hofdiener, die den hessisch-darmstädtischen Landgrafen angeblich als „Harlekine“ zur Belustigung aber auch zur Machtdemonstration und Abschreckung von Eindringlingen dienten. Ob dieser im Falle des Biedenkopfer Grenzgangs selbst als Eindringling gesehen wird oder ob er als Maskottchen herhalten muss, ob er nun den Marsch anführt oder bei näherem Hinsehen von ihm verfolgt wird – in jedem Falle beruht dieses Schauspiel auf einer symbolgewaltigen, rassistischen Inszenierung des Schwarzen Anderen.
Grenzen sind kacke!
Was die Biedenkopfer_innen mit tatkräftiger Unterstützung durch Sponsor_innen wie der Sparkasse Marburg-Biedenkopf, der  Volksbank, Intersport, Schäfers Backstuben u.v.a. veranstalten, ist eine unreflektierte Bezugnahme auf rassistische deutsch-koloniale Traditionen. Dass in bierseliger Feierlaune das eigene Territorium markiert und vor „Fremden“ geschützt werden soll, offenbart eine reaktionäre Haltung. Diese offensive Form der Anerkennung von Grenzen jeglicher Art und dem Abwehren des „Fremden“ bildet die Grundlage für die Akzeptanz von Ausgrenzung im Allgemeinen, die sich in strukturell gleicher Form auf höherer Ebene zum Beispiel in der ausgrenzenden Asylpolitik Europas zeigt. Grenzen sind immer willkürlich, sollen Gewalt gegen Außenstehende rechtfertigen und gehören abgeschafft! Dass es sich bei dem Spektakel um ein fröhliches Fest handelt, führt den allgegenwärtigen rassistischen Normalzustand vor Augen. In Biedenkopf scheint man sich darüber keine Gedanken zu machen. Das archaische Rollenverständnis, welches beim ritualisierten Ablauf der Feierlichkeiten, insbesondere durch die strikte Aufgabenverteilung für Männer und Frauen, deutlich zum Ausdruck kommt, unterstreicht dadurch zusätzlich diese widerliche rechte Geisteshaltung. Solche Traditionen und all diejenigen, die sie hochhalten, reproduzieren durch ihre extrem rechte Gesinnung und ihr Feiern alltäglichen Rassismus und Sexismus. Der Grenzgang ist kein unpolitisches „Volksfest“, sondern ein Beispiel für Deutschtümelei und die Ablehnung alles „Fremden“.
Deutsch-koloniale, rassistische Traditionen angreifen!

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Indymedia-Beitrag der Gruppe Lisa:2

Vortrag zum Grenzgang: 14.8.2012 20:30h im Café am Grün mit der Lisa:2