Warum Antifa Feminismus braucht

Warum Antifa Feminismus braucht

Im Sommersemester 2017 findet in Marburg eine Veranstaltungsreihe zum Thema „F_Antifa – Warum Antifa Feminismus braucht“ statt. Organisiert wird sie durch ein Bündnis aus verschiedenen antifaschistischen und feministischen Initiativen, das die Beteiligung und Relevanz von Frauen* und feministischen Perspektiven an und in antifaschistischen Kämpfen sichtbar machen und fördern möchte.

Auch wenn männliche Dominanz in antifaschistischen Zusammenhängen kein neues Thema ist, sind wir davon überzeugt, dass es weiterhin notwendig ist, darüber zu sprechen. Antifaschismus ist noch immer ein männlich dominierter Politikbereich und gängige Aufnahmeverfahren, Gruppenstrukturen, bearbeitete Themenbereiche und Aktionsformen bevorzugen Männer und bringen einen bestimmten Typus Männlichkeit hervor.

Wenn antifaschistische Initiativen sich entscheiden, etwas gegen den Ausschluss und die Benachteiligung von Frauen* aus und in ihren Strukturen zu unternehmen, wirkt das Unterfangen oft etwas fehlgeleitet. Anstatt einer kritischen Reflexion sexistischer Aufnahmepolitiken und geschlechtlicher Zuschreibungen, wird die Aufnahme von Frauen* zu einer humanitären Aktion stilisiert. Die vorherrschende Meinung scheint zu sein, dass Frauen* schlechter geeignet seien, um sich an antifaschistischen Kämpfen zu beteiligen. Es sei zwar politisch richtig Frauen* zu ‚integrieren‘, aber, dass Frauen* wirklich eine Bereicherung für antifaschistische Gruppen sein könnten, kann sich kaum einer vorstellen. Um dieser Auffassung, die Antifaschismus als eine männliche Handlungsweise zeichnet, entgegenzutreten, wollen wir in unserer Veranstaltungsreihe auf die Beteiligung von Frauen* an historischen und bestehenden antifaschistischen Kämpfen aufmerksam machen.

Neben dem Sichtbarmachen der Beteiligung von Frauen* an antifaschistischen Kämpfen, wollen wir durch verschiedene Veranstaltungen die These belegen, dass Antifaschismus Feminismus braucht. Wir wollen darlegen, dass ein Antifaschismus, der feministische Perspektiven nicht berücksichtigt, Leerstellen aufweist und an Wirkmächtigkeit einbüßt. Wir wollen auf Leerstellen in der Gedenkkultur hinweisen sowie auf extrem rechte Strömungen, denen sich nur durch Feminismus adäquat begegnen lassen.

Wir hoffen, durch diese Veranstaltungsreihe Frauen* dazu zu ermutigen, sich an antifaschistischen Kämpfen zu beteiligen und einzufordern, dass sie als Teil dieser ernstgenommen werden. Wir hoffen auch Aktivist_innen für die Bedeutung feministischer Perspektiven zu sensibilisieren. Zudem wollen wir durch die historische Perspektive auf die Beteiligung von Frauen* an antifaschistischen Kämpfen ein besseres Verständnis für die Verschränkungen zwischen Lebenssituation und Formen antifaschistischen Engagements schaffen.

Wir freuen uns darauf, euch bei den Veranstaltungen zu sehen!

Falls ihr Anmerkungen oder Kritik habt, meldet euch unter veranstaltungsreihe.f_antifa[ät]riseup.net

Die Website der Reihe findet Ihr außerdem unter veranstaltungsreihefantifa.noblogs.org

 

Folgt uns auch auf Twitter @f_antifa17

Komplexe Fragen, einfache Antworten?

Komplexe Fragen, einfache Antworten?

Stellungnahme der antifaschistischen gruppe 5 zum Flugblatt des ak:raccoons vom 15.06.16

 

Am 12. Juni 2016 ereignete sich in Orlando, Florida, USA ein Attentat auf die dortige LGBT*IQ-Community. Im Szene-Club „Pulse“ wurden 49 Personen ermordet und 53 weitere verletzt – das gravierendste Attentat mit homo- und trans*feindlichem Hintergrund der jüngeren Geschichte. Der Attentäter berief sich dabei auf den Islamischen Staat (IS).

Anlässlich dieses Ereignisses fand am 15. Juni 2016 eine durch das Autonome schwultransqueer Referat Uni Kassel organisierte Mahnwache statt. Die Veranstaltung sollte Raum für Trauer, Wut und Bestürzung geben und trotz bzw. gerade wegen der der Queer-Community von vielen Seiten entgegenschlagenden Ablehnung und Gewalt öffentlichen Raum einnehmen [1].

Bei dieser Mahnwache verteilte das „Antifaschistische Kollektiv: Raccoons“ einen Flyer mit dem Titel „Das Problem heißt Islam“. [2] Mit diesem Text übt die Gruppe Kritik an der vermeintlich verkürzten Darstellung der Hintergründe der Tat durch das Autonome schwultransqueer Referat Uni Kassel sowie der linken Szene. Das Attentat dürfe nicht nur als Angriff auf die Queer-Community dargestellt werden. Stattdessen müsse die Zugehörigkeit des Täters zum Islam und seine Bezugnahme auf den IS thematisiert werden. Die Gruppe deutet das Attentat primär als Angriff auf die „westliche Zivilisation“ durch die islamische „Barbarei“. Der Text liest sich wie ein AfD-Pamphlet. Er weist weder einen differenzierten Blick auf das Spannungsfeld „Islam – politischer Islam – Islamismus“ auf, noch ein Bewusstsein für die stets vorhandene Bedrohung von LGBT*IQ durch regressive Akteur_innen überall auf der Welt – über einzelne Religionen hinaus. Auch der politische Kontext des Textes wird ausgeblendet: Der antimuslimische Rassismus [*] in Politik und Gesellschaft wird nicht nur nicht thematisiert, sondern auch mit fragwürdigen „Argumenten“ unterstützt.

Als Bündnispartnerin der Gruppe innerhalb des BASH (Bündnis Antifaschistischer Strukturen Hessen) sehen wir uns in der Verantwortung Stellung zu dem Text des ak:raccoons zu beziehen. Die qrew (queere politgruppe kassel) hat bereits eine fundierte Kritik an diesem Text verfasst [3]. Wir teilen diese Kritik und erklären uns mit ihr solidarisch. Wir wollen hier nicht einfach die Inhalte ihrer Kritik wiederholen, sondern die Gelegenheit nutzen, um auf eine Schwierigkeit für die antifaschistische Arbeit in der aktuellen gesellschaftlichen Situation hinzuweisen, die im Text des ak:raccoons deutlich wird.

Das ak:raccoons entschied sich dazu einen Text zu verfassen, der den Islam als Quelle gesellschaftlichen Rückschritts und antihumanistischer Einstellung darstellt. Die Gruppe sah sich in der Verantwortung eine vermeintliche Leerstelle in der öffentlichen Wahrnehmung zu besetzen. Dass diese Deutung bereits sehr populär ist und meist von Gegner_innen antifaschistischer Politik propagiert wird, ließ sie dabei außer Acht. Ihr scheinbares Anliegen, einen Aufruf zu emanzipatorischer Auseinandersetzung mit Homophobie im Islam zu formulieren, steht im Widerspruch zu dem von Verkürzungen und Ressentiments durchzogenen Inhalt. Es stellt sich die Frage, ob dies ein dummer Einzelfall ist, oder ob die fehlende Differenziertheit auf ein bestehendes Problem innerhalb antifaschistischer Politik hinweist.

Antifaschistische Politik agiert in einem komplexen gesellschaftlichen Kontext. Unsere antifaschistische Politik richtet sich gegen jede gesellschaftliche Unterdrückungsstruktur, also u.a. gegen Rassismus, Kulturchauvinismus, Patriarchat, Homo- und Trans*feindlichkeit sowie antiemanzipatorische religiöse Einstellungen und Menschenfeindlichkeit. Der Kampf gegen diese Strukturen beinhaltet den Kampf gegen gesellschaftliche und politische Akteur_innen, die diese aufrechterhalten oder zu stärken versuchen.

Als Antifa-Gruppe arbeiten wir gegen antimuslimischen Rassismus, der in der deutschen Gesellschaft auf einem neuen Höhepunkt zu sein scheint. In kulturchauvinistischer Manier wird der Islam als Inbegriff des Rückschritts und der Unterdrückung aller, die vom gegebenen gesellschaftlichen Leitbild abweichen, gezeichnet. Er dient dabei als Abgrenzungsmoment zur Inszenierung der eignen Toleranz, Weltoffenheit und des gesellschaftlichen Fortschritts. Im Text des ak:raccoons findet sich diese Denkweise in der Glorifizierung der „westlichen Zivilisation“ in Abgrenzung zur islamischen „Barbarei“, einem aus der Kritischen Theorie entlehnten Begriff, dessen Verwendung in diesem Kontext kaum in Bezug auf Adornos Werk gelesen werden kann. Die die „westliche Zivilisation“ strukturierenden Herrschaftsformen und die vorhandenen regressiven Elemente werden ausgeblendet.

In alter Manier wird die Welt in „Orient und Oxident“ aufgeteilt, was aber spätestens seit der Globalisierung, aber auch schon vorher – Osmanisches Reich – nicht der globalgeschichtlichen Realität entspricht: An dieser Stelle sei auf die muslimisch geprägten Länder in Osteuropa verwiesen, sowie auf die aus Migration resultierende Zusammensetzung „westlicher“ Gesellschaften. Historisches Beispiel: Erste Moschee in Deutschland in einem Internierungslager für Kriegsgefangene aus dem ersten Weltkrieg in Brandenburg.

Der Hass und die Gewalt, den die LGBT*IQ-Community weltweit erfährt, lässt sich nicht – wie in dem ak:raccoons Text versucht – ausschließlich auf den Islam und islamische Migration zurückführen. Zur Analyse und Kritik von Homo- und Trans*feindlichkeit müssen u.a. auch die Christliche Wertegemeinschaft und ihre Machtressourcen sowie deutsche Leitkultur miteinbezogen werden. Eine umfassende Patriarchatskritik muss als notwendiger Bestandteil antifaschistischer Politik angestrebt werden.

Es bleibt festzuhalten, dass es „den Islam“ nicht gibt. Der Text des ak:raccoons phantasiert einen homogenen Islam herbei, und stellt diesen als großen Bösewichten und Antagonisten der westlichen Welt dar. Es werden sämtliche emanzipatorischen Kämpfe, die geführt werden, als dem Islam unzugehörig imaginiert. Dies ist ein Schlag ins Gesicht für progressive Strömungen und Akteur_innen innerhalb islamisch geprägter Gesellschaften. Auch, dass die Mehrheit der Kämpfer_innen gegen den IS muslimischen Glaubens ist, wird verschwiegen, oder dass es beispielsweise innerhalb der Islamischen Republik Iran politisch aktive LGBT*IQ-Communitys gibt, die u.a. auch durch muslimische Selbstverständnisse geprägt werden.

Wir sehen die Notwendigkeit und Verantwortung Strömungen des politischen Islams zu kritisieren, aber lehnen unzulässige Verallgemeinerungen und die kategorische Verurteilung aller Muslime ab. Klar sollte hierbei sein, dass es richtig und wichtig ist den Islam im Sinne einer emanzipatorischen Religionskritik zu kritisieren. Wir finden es verkürzt dies anhand von wenigen Quellen, Zahlen und Behauptungen zu tun, wo doch selbst bei oberflächlicher Lektüre des Textes festgestellt werden kann, dass die Behauptungen mehr leere Worthülsen sind, denn mit Wissen und Sachkenntnis unterfüttert.

Wir müssen antimuslimischem Rassismus, insbesondere dann, wenn er unter dem Deckmantel antifaschistischer Religionskritik erscheint, entschieden entgegentreten.

Der Kampf gegen gesellschaftliche Unterdrückungsstrukturen ist nicht frei von Widersprüchen und Ambivalenzen. Die Verteidigung der Religionsfreiheit bei gleichzeitiger Religionskritik und die Ablehnung antimuslimischen Rassismus‘ bei gleichzeitiger Solidarität mit Betroffenen von Islamismus und antiemanzipatorischen religiösen Einstellungen führt oftmals zu diesen.

Die Komplexität des Themas darf aber weder zu Resignation noch zu verkürzten „Analysen“ wie der des ak:raccoons führen. Vielmehr müssen Akteur_innen antifaschistischer Politik die Relevanz des Themenkomplexes anerkennen und durch inhaltliche Auseinandersetzung und Diskussion Handlungsstrategien entwerfen und Wissenslücken schließen.

Die notorisch privilegierte Antifa kann zudem nicht ohne eine Reflexion ihrer eigenen Perspektiven auskommen. Das Verteilen von Flyern, die die Trauer einer Betroffenengruppe auf diese Weise kritisieren, zeugt nicht nur von geringer Empathie, sondern auch von einem fehlenden Verständnis für die Politik des Gedenkens.

Queere Kämpfe sind antifaschistische Kämpfe. Wir fordern Solidarität und Auseinandersetzung, auch von Akteur_innen, die nicht negativ von (Hetero-)Sexismus, Homo- und Trans*feindlichkeit betroffen sind.

Die Suche nach einfachen Antworten auf komplexe Fragen ist nicht Antifa!

[*] Antimuslimischer Rassismus wird auch von Menschen erfahren, die gar keine Muslime sind, sondern durch ihr Äußeres, Namen, Kleidung und Sprache als Muslime rassifiziert werden.

[1] https://de-de.facebook.com/events/1062271807192527/

[2] http://raccoons.blogsport.de/2016/06/16/das-problem-heisst-islam/

[3] http://qrew.blogsport.eu/2016/06/18/das-patriarchat-bleibt-stabil/

Antifa Sommercamp 2016

Antifa Sommercamp 2016

Das BASH (Bündnis antifaschistischer Strukturen Hessen) lädt ein, vom 18.-22. August 2016 am antifaschistischen Sommercamp in Nordhessen teilzunehmen. Angesprochen sind neben bereits bestehenen Politgruppen auch Personen, die Interesse an linksradikaler Politik haben; nicht nur aus Hessen.

Sommercamp2016b

Wie in den vergangenen Jahren auch veranstaltet das BASH in diesem Sommer ein mehrtägiges, antifaschistisches Zeltlager. Dieses Jahr wird es erneut in der Region Nordhessen stattfinden. Eine Beschreibung für die Anreise und Details zum Veranstaltungsort werden kurz vor dem Camp allen angemeldeten Teilnehmer*innen mitgeteilt werden.

Das vergangene Jahr war geprägt von rassistisch motivierter Gewalt, Angriffen auf Geflüchtete und ihrer Unterstützer*innen, islamistischem Terror, den Erfolgen rechter Parteien in Europa und der AfD in Deutschland, Pegida-Massendemonstrationen, hunderten toten Geflüchteten im Mittelmeer, Repression gegen Linke und wahrscheinlich haben wir damit gerade mal einen Bruchteil der aktuellen politischen Lage angerissen. Auf viele Fragen, die sich aus aktuellen Problemen ergeben, hat die radikale Linke bisher keine wirkungsvollen Antworten gefunden. Dass man sich im Kampf gegen Nazis und für eine bessere Gesellschaft allerdings nicht auf staatliche Institutionen verlassen kann, sollte spätestens seit dem Auffliegen des NSU und der ausbleibenden Aufklärung klar sein. Antifaschistische Organisierung ist also nach wie vor notwendig und auch wenn vor einiger Zeit zu beobachten war, wie sich schon lange bestehende und erfahrene Antifa-Gruppen aufgelöst haben, ist einfach aufzuhören für uns keine Option. Um diese Problematik soll es auf dem diesjährigen Camp unter anderem gehen: Die Zeiten werden härter, wie geht es mit der Antifa weiter?

Antifa heißt weitermachen

Im Mittelpunkt des Camps stehen wie jedes Jahr die theoretischen wie praktischen Workshops und Vorträge. Einige Veranstaltungen sind bewusst so gestaltet, dass sie kein Vorwissen erfordern und werden entsprechend gekennzeichnet. Thematisch geht es wie jedes Jahr um Antifaschismus, Kapitalismus, Feminismus, Repression sowie Tipps und Tricks für die eigene politische Arbeit. Der Schwerpunkt des Camps liegt dieses Jahr auf der Debatte um Perspektiven und Strategien antifaschistischer Arbeit und Organisierung mit Blick auf den gesellschaftlichen Rechtsruck in Deutschland. Über das und einiges mehr wollen wir mit Antifaschist*innen aus ganz Deutschland diskutieren. Der Veranstaltungsplan und kurze Ankündungstexte der Workshops werden etwa Mitte Juli auf der BASH-Website zu finden sein.

Mit dem Camp wollen wir außerdem eine Plattform der Vernetzung schaffen. In den letzten Jahren konnten wir erfreulicherweise sowohl bestehende Politgruppen (nicht nur aus Hessen) als auch an linksradikaler Politik interessierte Einzelpersonen und Freundeskreise als Gäste auf dem Camp begrüßen. Es hat sich gezeigt, dass aus dieser Zusammensetzung ein Rahmen entsteht, in dem Aktivist*innen ihre Erfahrungen austauschen und an Interessierte weitergeben können. Unsere Einladung richtet sich also gleichermaßen an bereits bestehende Politgruppen als auch an jene, die bisher nicht organisiert sind aber sich für linksradikale Politik interessieren. Das Camp soll Raum bieten, sich kennen zu lernen, zu vernetzen und Strukturen zu schaffen, die weit über das Wochenende hinaus bestehen.

Organisatorisches

Die Anmeldung für das Camp ist ab jetzt möglich und wir bitten euch, nicht bis zum letzten Tag zu warten, damit wir mit einer realistischen Teilnehmer*innenzahl kalkulieren können. Auch dieses Jahr bieten wir eine Kinderbetreuung für die Workshop-Phasen an, bitten jedoch darum, das bei der Anmeldung anzugeben. Die Teilnahme am Camp kostet pro Tag 5 Euro (vegane Vollverpflegung inklusive). Die Kosten für die Infrastruktur des Camps wird allerdings nur zum Teil durch die die Beiträge der Teilnehmer*innen gedeckt und wir freuen uns wie immer über Spenden.

Anmelden könnt ihr euch mit einer Mail an b-a-s-h(ät)riseup.net (gerne auch verschlüsselt, unseren pgp-key findet ihr auf der Webseite). Denkt bitte daran, anzugeben, mit wie vielen Personen ihr teilnehmen wollt, ob jemand von euch eine Lebensmittelallergie hat oder was wir sonst noch wissen müssen. Eine Check- und Packliste für Campteilnehmer*innen findet ihr hier.

DER ROTE MONTAG // Film- & Barabend // 04.07.

DER ROTE MONTAG // Film- & Barabend // 04.07.

04.07. // Café trauma // ab 20 Uhr

Diesmal wartet die Dokumentation “…keinen Meter deutschen Boden…” über die extreme Rechte in Thüringen von den Filmpirat*innen auf Euch. Nach dem Film wird Zeit für eine gemeinsame Diskussion mit einem der Filmemacher sein.

„Mehr als 120 rassistische Demonstrationen, fast 50 RechtsRock-Veranstaltungen und zahlreiche neue extrem rechte Organisationen – Die extreme Rechte in Thüringen ist so aktiv wie lange nicht. Fast ein Jahr haben wir mit der Kamera diese Entwicklung begleitet und mit dem MOBIT-Team gemeinsam eine Filmreihe entwickelt. Dabei sind sechs Kurzfilme entstanden.“

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=74oUZmyKmhs

Anschließend wollen wir wie immer Cocktails in der Baari Bar, gleich neben dem Kino, mit Euch schlürfen!

PM: Kundgebung gegen AfD und Rheinfranken – Tritschler sagt ab, Mandic springt ein

PM: Kundgebung gegen AfD und Rheinfranken – Tritschler sagt ab, Mandic springt ein

Pressemitteilung:

Am 03.06.2016 sollte Sven Tritschler, Bundesvorsitzender der Jungen Alternative (JA), einen Vortrag bei der Marburger Burschenschaft Rheinfranken unter dem Titel „Wandel von Lucke zu Petry“ halten. Da dieser aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig abgesagt hat, springt der AfD Funktionär und Neonazi Dubravko Mandic ein.

Dubravko Mandic, Rechtsanwalt aus Freiburg, ist Vorsitzender des baden-württembergischen Landesschiedsgerichts der AfD und Mitglied im Bundesschiedsgericht der AfD-Jugendorganisation (JA). Innerhalb der AfD und der JA gilt Mandic als rechtsradikaler Scharfmacher. Unter anderem gab es ein AfD-internes Parteiausschlussverfahren gegen Mandic wegen öffentlicher Naziäußerungen, welches 2015 eingestellt wurde. Auch inhaltlich tritt er für NPD-nahe Positionen ein. „Von der NPD unterscheiden wir uns vornehmlich durch unser bürgerliches Unterstützerumfeld, nicht so sehr durch Inhalte.“, schrieb Mandic in einem Facebook-Post.

Das alles ist nicht sehr verwunderlich, denn Mandic ist oft gesehener „Alter Herr“ in der Freiburger Burschenschaft Saxo-Silesia, die wie die Marburger Burschenschaft Rheinfranken zum extrem rechten Dachverband Deutsche Burschenschaft (DB) gehört und als rechtsradikalste Burschenschaft in Freiburg gilt. Sie gerät immer wieder durch ihre rechtsradikale Einstellung in den Fokus, zum Beispiel durch Skandale um Verbindungsfeiern, auf denen Nazilieder gespielt und „Heil Hitler“ gerufen wurde. Es wurde in den letzten Jahren mehrere Male in der Saxo-Silesia über einen Austritt aus der DB abgestimmt, doch war Dubravko Mandic maßgeblich am Verbleib im extrem rechten Dachverband beteiligt.

Die Rheinfranken bleiben ihrer extrem rechten Gesinnung mit ihrer Einladung von AfD Funktionär und Neonazi Mandic treu.“, sagt Sophia Stern, Pressesprecherin der antifaschistischen gruppe 5 und betont weiterhin: “Wir werden auch dieses Mal nicht stillschweigend hinnehmen, dass ein rechtsradikaler Scharfmacher wie Mandic mit seinen Gesinnungsbrüdern, den Rheinfranken, ungestört anstoßen kann.“

Stern ergänzt: „Wir erwarten mit Spannung die Ausreden der AfD Marburg, die ihre Partei in der diesjährigen Kommunalwahl betont bürgerlich präsentiert hat. Denn wenn nun ein Neonazi als Vertreter ihrer Partei auf einem Nazihaus spricht, ist dieses Image wohl kaum glaubwürdig.

Ein Bündnis antifaschistischer Gruppen ruft auch weiterhin zu einer Kundgebung am 03.06.16 um 19 Uhr gegen die geplante Veranstaltung in der Lutherstraße auf.

Das gleiche Paar Schuhe – Kundgebung 03.06.

Das gleiche Paar Schuhe – Kundgebung 03.06.

Die Marburger Burschenschaft Rheinfranken hat Sven Tritschler, einen der Bundesvorsitzenden der Jungen Alternative (JA), für einen Vortrag am 03.06.2016 auf ihr Verbindungshaus eingeladen.

Die JA ist die Jugendorganisation der AfD, über deren „Wandel von Lucke zu Petry“ Tritschler referieren will. Seine Gastgeber, die Rheinfranken, gehören zum extrem rechten Dachverband Deutsche Burschenschaft (DB).

Die Nähe der DB zur AfD bzw. JA wird immer deutlicher und ergibt sich auch personell:
Beispielsweise ist Jörg Sobolewski, der derzeitige Sprecher der DB, aktives AfD Mitglied. Bereits sein Amtsvorgänger, Torben Braga, Mitglied der Marburger Burschenschaft Germania, intensivierte bestehende Kontakte durch ein Praktikum bei der AfD Thüringen. Deren Landesvorsitzender Björn Höcke wurde genauso im November 2015 von den Rheinfranken eingeladen wie Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher der AfD und Landesvorsitzender Brandenburg im Mai 2014.

Die Rheinfranken standen bereits mehrfach in der Kritik antifaschistischer Gruppen, weil sie Sammelbecken und Anlaufstelle für Neonazis und rechtes Gedankengut verschiedener Couleur in der Region sind. Damit stehen sie ideologisch ihrem Dachverband, der DB, um nichts nach. Dieser erlangte durch seine Forderung nach einem „Ariernachweis“ als Aufnahmebedingung zweifelhaften Ruf (Spiegel 2011).

JA Bundesvorsitzender Tritschler betonte in einer hetzerischen Rede im Januar 2016 in Erfurt wiederum, dass Deutschland im Gegensatz zu den Herkunftsländern vieler Geflüchteter „kulturell auf einem anderen Stand“ sei und verunglimpfte „den Islam“ als „Steinzeitreligion“. Damit knüpft er an die gängige JA Wortwahl an, wie sie sich auf deren Internetpräsenz widerspiegelt. Dort fordert die Junge Alternative etwa ein „Verbot islamischer Migration nach Europa“.
Auch transnational pflegt die JA Kontakte – beispielsweise zu den Jugendorganisationen anderer national-konservativer, EU-kritischer und rechtspopulistischer Parteien, wie der Schweizerischen Volkspartei, den Schwedendemokraten, sowie zur FPÖ. Der Rechtsruck in Europa ist genauso wenig eine Alternative, wie die reaktionäre und neoliberale Politik der AfD!

Sven Tritschler hat seine Teilnahme mittlerweile abgesagt, für ihn springt der AfD Funktionär und Neonazi Dubravko Mandic ein.

Lasst uns gemeinsam verhindern, dass die Rheinfranken und die Junge Alternative ungestört ihren Populismus und ihre braunen Ansichten austauschen und verbreiten können!

 

Das gleiche Paar Schuhe – AfD und Naziburschen Beine machen!

Kommt alle am 03.06.2016 um 19 Uhr in die Lutherstraße zur Kundgebung!
Bringt eure Freund*innen mit!

Pressemitteilung

Pressemitteilung 2

Kontakt

Am 03.06. - AfD und Naziburschen Beine machen!

Chronik rechter Aktivitäten in Hessen

Chronik rechter Aktivitäten in Hessen

364 Straftaten seit Jahresbeginn in Hessen zählt das Bundesinneministerium, 9 Personen werden derzeit per Haftbefehl aufgrund rechter Straftaten gesucht.

Eine (womöglich unvollständige) Chronik rechter Umtriebe seit Jahresbeginn wollen wir im folgenden dokumentieren.

Anbei sei auf die antifaschistische Zeitschrift LOTTA hingewiesen, die Naziaktivitäten in Hessen, Rheinland-Pfalz und NRW mit jeder Ausgabe dokumentiert.

Meldet Naziaktivitäten!
ag5@riseup.net

01.01.16 / Wetzlar-Garbenheim

Unbekannte werfen in der Sylvesternacht Böller in eine Unterkunft für unbegleitete minderjährige Geflüchtete. Die Polizei geht „nicht von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus“.

03.01.16 / Dreieich

Unbekannte schießen in der Nacht auf eine Unterkunft für Geflüchtete. Ein 23-jähriger Syrer erleidet eine Schussverletzung.

06.01.16 / Kassel-Lohfelden

Eine Unbekannter attackiert am Abend einen Geflüchteten mit einem Messer. Der 22-jährige wird später schwer verletzt auf der Straße aufgefunden.

09.01.16 / Schmitten

Unbekannte schießen mit Farbkugeln auf Unterkunft für Geflüchtete.

11.01.16 / Willingen-Usseln

Unbekannte verteilen rassistische Flugblätter.

16.01.16  / Schlitz

Die Fenster einer zukünftigen Unterkunft für Geflüchtete werden mit Steinen eingeworfen.

22.01.16 / Schlitz

Die Inzwischen bezogene Unterkunft wird mit rechten Parolen und Hakenkreuzen beschmiert. Laut Bürgermeister gibt es „keine rechtsradikalen Umtriebe in Schlitz“.

22.01.16 / Fulda

Mehrere Rocker verprügeln einen 40-jährigen Geflüchteten.

28.01.16 / Wettenberg

Unbekannte werfen mit Steinen auf eine Geflüchtetenunterkunft.

30.01.16 / Homberg Ober-Ofleiden

Unebekannte schmieren Hakenkreuze auf Wahlplakate

05.02.16  / Ahlheim-Heinebach

Unbekannte schmeißen die Scheiben einer bewohnten Unterkunft ein.

09.02.16 / Runkel

Ein Unbekannter zeigt vor einer Unterkunft mehrfach den Hitlergruß aus einem Auto.

10.02.16 / Viernheim

Aus einem fahrenden Auto werden Schüsse aus einer Schreckschusswaffe auf eine Unterkunft für Geflüchtete abgegeben.

11.02.16 / Vöhl-Marienhagen

Im Ort werden rassistische Parolen an Hauswände gesprüht.

15.02.16 / Runkel

Rechte Aufkleber werden auf Wahlplakate geklebt

20.02.16 / Lahntal-Sarnau

Unbekannte legen einen rot-beschmierten Teddybär mit durchgetrennter Kehle vor eine Unterkunft für Geflüchtete.

22.02.16 / Florstadt

Unbekannte schmeißen die Scheiben einer bewohnten Geflüchtetenunterkunft ein. Ein Zettel mit einer Morddrohung wird an dem Haus gefunden. Zudem wird das Haus einer muslimischen Gemeinde mit Steinen angegriffen.

23.02.16 / Marburg

Unbekannte sprühen rassistische Parolen und Hakenkreuze in den Schülerpark

27.02.16 / Wetter

An einem Wahlkampfstand zeigt ein Unbekannter den Hitlergruß aus einem fahrenden Auto.

28.02.16 / Fulda-Rotenburg

Unbekannte beschmieren Wahlplakate und andere Objekte mit Hakenkreuzen und rechten Parolen.

29.02.16 / Marburg

Vor dem Hauptbahnhof zeigt ein Mann den Hitlergruß vor einer Gruppe mit Migrationshintergrund.

08.03.16 / Villmar-Weyer

Wahlplakate mit „Refugees not welcome…“ Aufklebern beklebt.

20.03.16 / Darmstadt

Nazi-Schmierereien an Häusern und Autos.

22.03.16 / Gießen-Langgöns

Unbekannte schmeißen Schottersteine durch ein geöffnetes Fenster eines Wohncontainers für Geflüchtete. Verletzt wird niemand.

Quellen: Lokalpresse; Polizeipresse