AfD und Corona-Leugner*innen bei der Marburger Kommunalwahl

Anlässlich der Kommunalwahl im Landkreis Marburg-Biedenkopf am 14. März 2021 hat die Recherche-Kampagne StadtLandVolk eine Broschüre zur AfD und der verschwörungsideologischen Gruppierung Weiterdenken veröffentlicht, die jeweils mit einer Liste zur Wahl antreten. Die Broschüre gibt einen Überblick über menschenverachtende Weltbilder und relevante Akteure beider Gruppen. Sie kann hier heruntergeladen werden.

Burschenschaftsinterne Auseinandersetzungen in Marburg

In der Nacht auf den 14. Juni 2020 wurde das Haus der Verbindung Frankonia zu Marburg angegriffen. Dabei wurde eine Holztür eingerammt und die Inneneinrichtung verwüstet. Die Angreifer waren nach Aussage der Frankonia vermummt und mit Pfefferspray bewaffnet, von welchem sie auch Gebrauch machten. Des Weiteren war mindestens ein Angreifer zusätzlich mit einem Messer und Totschläger bewaffnet. Schnell wurde klar, das es sich bei diesem Angriff um einen Konflikt innerhalb der Verbindungsszene handelt. So beschrieb die Frankonia in einer Stellungnahme auf Facebook eine am Abend vorhergegangene Auseinandersetzung mit Burschenschaftern der DB-Burschenschaft Germania, bei der auch antisemitische Äußerungen gefallen sind. Laut Bericht wurde ein Mitglied der Frankonia als „Judensau“ bezeichnet, man solle ihn „vergasen“ oder „an die Wand stellen“.

Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft in Marburg gegen sechs Personen, die aus dem direkten Umfeld der Burschenschaft Germania Marburg stammen. „Nach derzeitigem Ermittlungsstand seien Männer beteiligt gewesen, die damals Mitglieder oder Gäste der Burschenschaft gewesen seien“, berichtete der Behördensprecher gegenüber der Frankfurter Rundschau.1

Die DB-Burschenschaft ist in der Vergangenheit schon häufig durch gewalttätige Aktionen aufgefallen, wie den Angriff auf Fotograf*innen im Rahmen eines Treffens der „Jungen Alternativen“. Dabei sind Germanen ebenfalls vermummt und mit Pfefferspray und Schlagstöcken bewaffnet auf diese losgegangen.2

Auch dürfte der Angriff auf die Frankonia nicht zufällig passiert sein. Die Verbindung schreibt sich dem ‚eher liberalen‘ „Schwarzburgbund“ zu, ist formell offen für Männer mit Migrationshintergrund und unterzeichnete 1996 die „Marburger Erklärung“, die sich augenscheinlich gegen anti-demokratische Strömungen richten soll. Laut Frankonia bestehe ein unbefristetes Hausverbot gegenüber Burschenschaftern der Burschenschaft Germania.

Auch wenn es in diesem Fall einen etwas weniger reaktionären Männerbund getroffen hat, zeigt der Vorfall ein weiteres Mal, wie die Germanen gegen andersdenkende Menschen vorgehen.

Anders als Michael Terwiesche, Vorsitzender des Trägervereins des Hauses der Frankonia, der glaubt, das irgendwelche rechtsradikale Spinner bei den Germanen untergekommen seien3, hat die Germania kein Naziproblem, sondern IST ein Naziproblem. Dies zeigt sich ganz klar, wenn man sich zum Beispiel die Redner der vergangenen Veranstaltungen und die Gäste genauer anschaut. So war unter anderem Alain de Benoist Redner auf der Germania-Veranstaltung „Junges Europa“ im Jahr 2019. Benoist ist ein maßgeblicher Vordenker der Neuen Rechten. Außerdem hielt auch schon Götz Kubitschek, Strippenzieher der Neuen Rechten in Deutschland, Reden auf dem Haus der Germanen. Somit wird klar, dass die Burschenschaft Germania ganz bewusst große Namen der Neuen Rechten einladen um die Aktivitas in ihrem Weltbild zu schulen. Und auch, dass die Redner die Einladungen annehmen, zeigt welchen Stellenwert die Burschenschaft in Marburg innerhalb der Neuen Rechten europaweit innehat.

Nazivillen dichtmachen!

1https://www.fr.de/rhein-main/marburg-rechte-burschenschaft-unter-verdacht-90147409.html

2https://stadtlandvolk.net/?p=143

3https://www.fr.de/rhein-main/marburg-rechte-burschenschaft-unter-verdacht-90147409.html

Verschwörungsideologie und „Ärzte für Aufklärung“ in Marburg

Nicht nur andernorts, sondern auch in Marburg sind Ärzt*innen an der Verbreitung von Verschwörungsmythen und Falschinformationen in Bezug auf die Corona-Pandemie beteiligt. Dazu gehört beispielsweise F. Prohaska, der bereits seit 1999 als „Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe“ eine Praxis in der Gutenbergstraße betreibt und als Belegarzt in Marburg-Wehrda tätig ist, und mit seinen öffentlichen Äußerungen beispielhaft steht für eine Ideologie, die sich immer weiter radikalisiert.

Hinter den Maßnahmen zur Bekämpfung der Ausbreitung des Virus SARS-CoV-2 witterte Prohaska schon in seinem Leserbrief an der Oberhessische Presse im September des letzten Jahres Angstmache, das „Durchdrücken unliebsamer Ideen und Machterhalt gerade anlässlich der Bundestagswahl im nächsten Jahr“. Nichts sei dabei „so nützlich wie eine Krise und die Angst der Menschen (wusste schon Göbbels).“ Dass die Oberhessische Presse Goebbels-Vergleiche und eine damit einhergehende Verharmlosung und Relativierung des Nationalsozialismus kommentarlos abdruckte, ist bereits scheiße genug. Die lokale Presselandschaft glänzte in den vergangenen Monaten aber auch nicht gerade mit einer kritischen Einordnung der verschwörungsideologischen Aktivitäten in Marburg.

Prohaska ist Teil der Unterstützer*innen der „Ärzte für Aufklärung“(1), die in den vergangenen Monaten hauptsächlich durch irreführende und schlicht falsche Behauptungen bezüglich PCR-Tests und dem Tragen von Masken oder der Impfstoffentwicklung in Erscheinung getreten sind. In Marburg wie bundesweit fielen sie zuletzt wiederholt durch das penetrante Verteilen von Flyern auf, in denen Corona als „Fake-Pandemie“ verharmlost, gezielt Falschinformationen verbreitet und Ängste in Bezug auf vermeintliche Zwangsimpfungen geschürt werden. Viele der Inhalte sind nahezu deckungsgleich mit denen auf Prohaskas Website.

Dort behauptete er im Sommer 2020, die Pandemie sei vorbei. Darum seien Patient*innen auch „nicht gezwungen, eine Maske wegen Corona zu tragen“(2).

Zudem konstatierte er eine „vollständige Entwarnung“ durch das in verschwörungsideologischen Kreisen bekannte Argumentationsschema, die Zahl der Infizierten würde nur durch einen Anstieg der durchgeführten Tests steigen. Dieses ist längst widerlegt. Ebenfalls teilte er dort kürzlich ein Video, welches sich explizit auf angebliche Zwangsimpfungen und auf die antisemitische Verschwörungserzählung der „Neuen Weltordnung“ (NWO) bezieht.(3) Diese phantasiert eine angeblich bevorstehende Versklavung der Menschheit durch eine Geheimorganisation. Insbesondere beliebt ist sie in den Kreisen der extremen Rechten und Rechtsesoterik, die letzten Monate haben aber gezeigt, dass der NWO-Mythos auch im Umfeld der Corona-Leugner*innen zum festen Repertoire gehört.

Es bleibt zu hoffen, dass Prohaska wenigstens sein Vorhaben, sich zur Ruhe zu setzen um die Regierung unter Merkel nicht weiterhin mit Steuergeldern zu finanzieren(4), umsetzt und die bewusste Gefährdung von Patient*innen durch Verschwörungsideologie ein Ende findet.

Ärzte für Aufklärung in Marburg

Auch die Verschwörungsideolog*innen von „Weiterdenken Marburg“ pflegen Kontakte zu den „Ärzten für Aufklärung“. Am 5. September war der Hamburger Arzt und Mitbegründer der Initiative Walter Weber als Redner bei der Marburger Kundgebung. Der Rassist Weber stellte einst einer Person ein Attest über eine „Allergie gegen Schwarze“ aus, welches diese im Rahmen eines Gerichtsverfahrens wegen rassistischer Beleidigung verwenden wollte. In Marburg fabulierte er unter Jubel der selbsternannten „Weiterdenker*innen“ von gekauften Medien und einer angeblich inszenierten „Fake-Pandemie“, unterstützt durch vermeintliche Eliten, die er „zur Rechenschaft ziehen“ wolle und drohte: „Sie werden uns nicht davonkommen. (…) Wir werden nicht eher ruhen bis die Leute zur Rechenschaft gezogen sind, darauf können sie sich verlassen.“ (hierzu berichtete die Kampagne Kein Frieden mit Antisemiten(5))

So abwegig sich die Verschwörungsmythen auch anhören mögen, ist ihre Wirkungsmacht nicht zu unterschätzen. Auch die Marburger verschwörungsideologische Szene ist dem deutschlandweiten Trend gefolgt und hat in den letzten Wochen und Monaten eine deutliche Radikalisierung durchlaufen. Inzwischen werden verschwörungsideologische und antisemitische Inhalte nicht mehr bis zur beinahen Unkenntlichkeit verklausuliert, sondern auch hier Maßnahmen zur Eindämmung der Virusverbreitung offen mit der NS-Verfolgung gleichgesetzt.

Auch Antifeminismus ist immer wieder zentraler Bestandteil von Verschwörungsmythen und mit diesen verwoben. Beispielhaft zeigt sich dies in der Erzählung nach der abgetriebene Föten zur Impfstoffproduktion eingesetzt würden, die auch in Telegram-Gruppen der Corona-Leugner*innen und Verschwörungsideolog*innen aus dem Marburger Umland geteilt wurde.

(1) https://archive.is/JnqF2

(2) https://archive.is/bQdv0

(3) https://archive.is/eI0pV

(4) https://archive.is/dLigF

(5) https://keinfriedenmitantisemiten.noblogs.org/post/2020/10/15/querfront-des-grosenwahns-aus-worten-werden-taten/

Die Rechte-Nazis aus dem Schwalm-Eder-Kreis vor Gericht

Drei Nazis aus dem Umfeld von Die Rechte wurden Mitte November in Treysa wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung verurteilt. Den drei Nazis aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis wurde u.a. der Angriff auf ein Bistro in Kirchhain sowie auf ein Wohnhaus vorgeworfen. Ende Dezember 2018 hatten die drei Angeklagten zusammen mit drei weiteren Männern um 4 Uhr Morgens eine Kneipe in Kirchhain gestürmt. Sie randalierten und verletzten einen Gast. Am Vortag hatten sie bereits dort gesoffen und Gäste mit rassistischen Parolen beleidigt. In dieser Zeit bekleideten zwei der angeklagten Nazis Vorstandspositionen in der Nazipartei. Auch ein Haus einer türkischstämmigen Familie griffen sie an – eine Scheibe wurde eingeworfen. Bei Hausdurchsuchungen wurden laut Bullen u.a. Flyer der Nazipartei, Bettwäsche mit Reichskriegsflagge und T-Shirts mit der Aufschrift „Hitler-European-Tour“ gefunden.

Über den Aufbau und die Strukturen von Die Rechte in Hessen gibt ein Beitrag des Rechercheportals Documentation Research and Information Überblick. Dort heißt es passenderweise abschließend: „Demnach wird es auch vermutlich der Partei „die Rechte“ nicht gelingen sich ernsthaft zu etablieren. Die nähe der Partei insgesamt zur militanten Naziszene macht sie in der Region zumindest für ein Spektrum interessant, welches die NPD in Hessen nicht für sich gewinnen kann. Die militante Neonaziszene in (Nord-)Hessen hat aber durchaus gezeigt, dass sie keine erfolgreiche Partei braucht um eigene Strukturen aufzubauen und Anschläge zu verüben. Dies zeigen nicht zuletzt die Verstrickungen beim Mord Walter Lübcke nur zu deutlich.“

Zuletzt war mindestens ein Mitglied der Nazipartei gemeinsam mit anderen Nazis aus dem Schwalm-Eder-Kreis auch in Marburg unterwegs. Im Rahmen einer Kundgebung der Corona-Leugner*innen am 09. Mai tauchte ebenfalls Tim Schmerer, seit März 2019 Beisitzer im Landesvorstand, auf dem Marktplatz auf. Eine Übersicht der anwesenden Nazis liefert z.B. das Rechercheportal stadtlandvolk.

Presseschau zum Prozess
https://www.op-marburg.de/Landkreis/Ostkreis/Rechte-Gewalt-im-Vollrausch-in-Kirchhain

https://www.op-marburg.de/Landkreis/Ostkreis/Haftstrafen-fuer-Rechtsextreme-nach-Randale-in-Kirchhain

Warum wir keine Freund*innen von ,Frauen*‘ sind

Warum wir keine Freund*innen von ,Frauen*‘ sind

Sich als antifaschistische Gruppe mit Feminismus zu beschäftigen, ist für uns unerlässlich. Wir haben in den letzten Jahren immer wieder zu feministischen Themen gearbeitet, ob zu Feminismus in antifaschistischen Kreisen, im Drift-Bündnis oder zum 8. März.

Dieser Text ist ein Debattenbeitrag zu dem Begriff ‚Frauen*‘ und der Verwendung des Begriffs. Der Begriff ‚Frauen*‘ wird in linken und/oder queeren Kreisen häufig verwendet. In der Vergangenheit haben wir selbst auch ‚Frauen*‘ in unseren Texten verwendet. Nach einer Auseinandersetzung mit Kritik an der Verwendung an ‚Frauen*‘ haben wir uns entschlossen, den Begriff nicht mehr zu verwenden. Damit sind wir nicht allein. Die transgeniale F_Antifa hat sich zum Beispiel bereits vor einiger Zeit für eine Kritik an ‚Frauen*‘ stark gemacht (Transgeniale F_antifa).

Es gibt Kritikpunkte an ‚Frauen*‘, die wir besonders wichtig finden. Um aufzuzeigen,welche das sind, gehen wir auf die Begründungen ein, weshalb ‚Frauen*‘ verwendet wird.

Begründung 1: „Frauen* wird mit Asterik (*) geschrieben, um zu zeigen, dass auch trans (1) Frauen mitgemeint sind!“

Das scheint auf den ersten Blick eine nette Idee zu sein, schließlich ist Transfeindlichkeit (2) ein großes Problem. Leider ist es aber keine nette Idee. Trans Frauen sind Frauen. Es braucht kein Sternchen, um trans Frauen bei Frauen mitzuzählen. Stattdessen wird durch ,Frauen*‘ so getan, als seien trans Frauen gar nicht wirklich Frauen – sonst könnte schließlich einfach von Frauen gesprochen werden.

Begründung 2: „Frauen* wird mit Asterik (*) geschrieben, um zu zeigen, dass alle Personen, die als Frauen wahrgenommen werden und/oder nicht-binäre Personen (3), auch mitgemeint sind!“

Das scheint wieder eine nette Idee zu sein – aber auch hier ist es nur der Schein. Wenn eine Person als Frau wahrgenommen wird, heißt das nicht, dass diese Person auch eine Frau ist. Das kann zum Beispiel bei nicht-binären Personen der Fall sein. Nicht-binäre Personen sind nicht-binär. Und sie sind mehr als ein Sternchen am Ende von ,Frauen*‘ und Frauen sind sie sowieso nicht.

Begründung 3: „Frauen* wird mit Asterik (*) geschrieben, um zu zeigen, dass die Kategorie Frauen ein Konstrukt ist!“

Das Muster der scheinbar netten Idee ist nun schon vertraut, hier das Gleiche nochmal: Hier soll aufgezeigt werden, dass wenn von ,Frauen*‘ gesprochen wird, von einer konstruierten Gruppe gesprochen wird. Wir wollen an dieser Stelle kein großes Für und Wider von Dekonstruktion ausbreiten, dafür gibt es genug andere Stellen. Wir wollen allerdings anmerken, dass der Ursprungsgedanke hier leider nicht aufgeht: Es wird einfach ein Sternchen dran gehangen und dann wird das Wort weiterverwendet. Ohne,das Konstrukt wirklich aufzubrechen. Und auch andere Konstrukte werden nicht mit Sternchen versehen, sondern als solche behandelt und damit gearbeitet.

Diese drei Begründungen überzeugen uns also nicht von der Verwendung von ,Frauen*‘, ganz im Gegenteil. Transfeindlichkeit hat weder Platz im Feminismus noch im Antifaschismus!

Als Alternative finden wir es gut, andere Begriffe zu verwenden.

Geht es zum Beispiel dafür, einen Kneipen-Abend ohne dya (4) cis Männer zu veranstalten, bietet es sich an, eine Einladung dafür an FLINT-Personen (5) zu adressieren.

Wenn Geschlechterverhältnisse im Kapitalismus analysiert werden, macht es Sinn, genau zu schauen, wer oder was analysiert wird: Sind es Frauen? Sind es vielleicht trans maskuline Personen allgemein oder doch nur trans Männer?

Auch wir haben keine Lösung oder Alternative für jede Situation parat. Mit diesem Beitrag wollen wir jedoch dazu anregen, über scheinbar ‚woke‘ Ausdrucksweisen nochmal nachzudenken. Wenn wir Antifaschismus und Feminismus machen wollen, wollen wir signalisieren, dass dabei für alle Platz ist – und nicht nur für cis Personen.

(Es mag wie eine Alternative erscheinen, einfach von ‚weiblich gelesenen‘ Personen zu sprechen. Allerdings sollte mit dieser Ausdrucksweise vorsichtig umgegangen werden: Nur weil ich selbst denke, dass eine Person weiblich sei, heißt das noch lange nicht, dass die Person tatsächlich weiblich ist. Vielleicht lesen viele Menschen diese Person als weiblich und die Person erfährt deshalb Misogynie. Aber die Person einfach in jeder Situation als ‚weiblich gelesen‘ zu bezeichnen, kann für afab (6) trans Personen eine Form von Misgendering (7) darstellen. Gleichzeitig bleiben wir in einem binären Verständnis von Geschlecht stecken, wenn wir immer nur von ‚männlich gelesen‘ und ‚weiblich gelesen‘ sprechen.)

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(1) Trans wird als Adjektiv verwendet, um einen bestimmten Teil der geschlechtlichen Identität auszudrücken. Trans bedeutet, dass das Geschlecht einer Person nicht mit dem Geschlecht, was ihr bei der Geburt zu gewiesen wurde, übereinstimmt. Personen, die nicht trans sind, sind cis – was bedeutet, dass bei ihnen das reale Geschlecht und das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht übereinstimmen.

(2) Transfeindlichkeit bezeichnet die Diskriminierung von trans Menschen. Dies äußert sich z.B. durch Ablehnung, Wut, Intoleranz, Vorurteile, Unbehagen oder körperliche bzw. psychische Gewalt gegenüber trans Personen oder Menschen, die als trans wahrgenommen werden. Als internalisierte Transfeindlichkeit wird die Feindlichkeit bezeichnet, die gegen die eigene trans Identität und damit gegen sich selbst gerichtet ist. Dies passiert oft in einer transfeindlichen Umgebung und/oder vor dem eigenen inneren Coming out (Queer Lexikon).

(3) Nichtbinär oder nonbinary ist ein Begriff für und von Menschen, die nichtMann oder Frau sind, sondern beides gleichzeitig, zwischen männlich und weiblich oder weder männlich noch weiblich.

(4) Als dyadisch (dya) oder endogeschlechtlich werden Menschen bezeichnet, die nicht inter sind, also deren Körper in eine eindeutige medizinische Norm von männlichen bzw. weiblichen Körpern passen. (ebd.)

(5) Die Abkürzung FLINT steht für Frauen, Lesben, Inter, Nonbinary und Trans Personen. Inter steht hier für intersexuell. Als intersexuell werden Menschen bezeichnet, deren Körper nicht in die medizinische Norm von männlichen oder weiblichen Körpern passen.

(6) ,Assigned female at birth‘ (afab) bedeutet, dass einer Person bei Geburt das Geschlecht ,weiblich‘ zugewiesen wurde.

(7) Misgendern bedeutet, eine Person absichtlich oder unabsichtlich dem falschen Geschlecht zuzuordnen.

Manuel Mann kommt aus seinem Loch

Wie unter anderem die Recherchekampagne StadtLandVolk berichtet, kam es im Rahmen einer Kundgebung der Corona-Leugner*innen von Weiterdenken Marburg am 5. September zu einem Naziangriff auf Aktivist*innen der Gegenkundgebung. Der Täter ist kein Unbekannter, auch wenn er die letzten 10 Jahre in der Versenkung verbracht hat. Bereits 2004 berichteten wir in einem Aufruf zu einer Demo in Kirtorf über den Neonazi Manuel Mann und seine Rolle im organisierten Neonazimilieu. StadtLandVolk fasst den Werdegang des Neonazis Mann zusammen.

Antisemitismus bei Normannia Heidelberg – Marburger Germane involviert

Wie die Antifa Freiburg berichtet, ist es der Nacht auf den 29. August zu einen antisemitischen Übergriff auf dem Haus der Burschenschaft Normannia zu Heidelberg gekommen: Der Verbindungsstudent Philipp Smeljanez – der Mitglied der „Jungen Alternative“ sein soll und wie der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl der „Alten Leipziger Landsmannschaft Afrania im CC zu Heidelberg“ angehört – wurde von mehreren Verbindungsstudenten mit Gürteln verprügelt, mit Münzen beworfen und als „Drecksjude“ und „Judensau“ beschimpft.

Die Tat passierte während der Feier zum 28. Geburtstag von Patrick Bass, der u.a. als der Nazirapper Komplott bekannt ist und als einer der regionalen Köpfe der Identitären Bewegung in Heidelberg gilt.

Bass begann seine Nazikarriere aber im schwäbischen Hinterland. Er war Aktivist der AG Schwaben sowie führender Kopf einer gewaltbereiten Naziclique aus Langenau. In seiner Funktion als Neonazikader nahm er an zahlreichen Naziaufmärschen im ganzen Bundesgebiert teil, so in Dresden 2009, Augsburg 2010 sowie Heilbronn 2011. Spätestens 2013 wurde er bei der Burschenschaft Germania Marburg aktiv. Als Fux durfte Bass 2013 den Stand der Burschenschaft auf dem Zwischentag 2013 zusammen mit seinem Bundesbruder Tobias Sauer betreuen. 2014 nahm er am Marktfrühschoppen teil, nun als vollwertiges Mitglied der Germania Marburg. Auch nach seinem Umzug nach Heidelberg ist Bass immer wieder gern gesehener Gast auf dem Haus der Naziburschenschaft Germania.

Der Vorfall und die Personalia Bass sind wieder einmal Beweis dafür, was die sogenannte „Neue Rechte“ rund um IB und Deutsche Burschenschaft wirklich sind. Die antifaschistische Zeitung Lotta schrieb 2019: „Bass ist auch ein Beispiel dafür, dass sich die „Neue Rechte“ nur formal von der neonazistischen Rechten abgrenzen lässt: unter dem Pseudonym „Subverziv“ produzierte er einen antisemitischen Mobitrack für den „Nationalen Antikriegstag“ in Dortmund 2012 (vgl. Lotta #66, S. 21—23). In dem Track heißt es: „Und dieser Staat da am Toten Meer mit dem Hexagramm stecken für Macht und Geld die ganze Welt in Brand“.“

Björn Clemens – „Im Dienste des nationalen Widerstands“

In der aktuellen Ausgabe der antifaschistischen Zeitung Lotta geht es u.a. um den extrem rechten Szeneantwalt Björn Clemens. Dieser vertritt aktuell den Neonazi Markus Hartmann im Strafprozess um den Mord am CDU-Politiker Walter Lübcke. Clemens begann seine politische Karriere bei der Marburger Burschenschaft Rheinfranken und war in den 1990ern im Republikanischen Hochschulverband an der Uni Marburg sowie in der Nazipartei Die Republikaner aktiv. Der ausführliche Beitrag ist im Onlinebereich der Lotta zugänglich.

 

Marburg zeigt Respekt – Es fragt sich nur, für wen eigentlich

Marburg zeigt Respekt – Es fragt sich nur, für wen eigentlich

Seit kurzem sind in Marburg neue Aufkleber zu finden: Auf Bussen, Feuerwehrfahrzeugen und den Fahrzeugen der Müllabfuhr. Die Aufkleber sind nicht etwa die einer linken Gruppe, sondern Aufkleber der Stadt Marburg. Es sind Hände in verschiedenen Farben zu sehen, wie etwa rot oder braun, eine ist regenbogenfarben. Darunter steht „Marburg zeigt Respekt“. Die Hände sollen verschiedene Berufsgruppen symbolisieren, nämlich (so ist es auf der Webseite der Stadt nachzulesen) Einsatzkräfte wie die Feuerwehr und die Müllabfuhr.

Was hat es nun mit dieser Symbolik auf sich? Oft nutzen linke Gruppen verschiedenfarbige geballte Fäuste, um auf den Widerstand verschiedener Gruppen hinzuweisen, die von Diskriminierung betroffen sind. Jetzt verwendet die Stadt diese Symbolik, um mehr Respekt für bestimmte Berufsgruppen zu fordern.

Dabei wirkt es nicht nur etwas befremdlich, beispielweise eine regenbogenfarbene Hand neben eine rote Hand für die Feuerwehr zu setzen – hier stellt sich schon die Frage, ob LGBTIQ-Personen mit Berufsgruppen auf eine Ebene gehoben werden sollen. Im Statement der Stadt zu den Stickern wird auch nicht erklärt, welche Bedeutung die regenbogenfarbene Hand hat. Hände in verschiedenen Brauntönen stehen vermutlich für rassifizierte Menschen, was ähnlich unpassend ist.

Noch mehr als dies stößt die blaue, die Polizei-repräsentierende Hand, auf. Es ist leider keine Ausnahme, dass Polizei, Feuerwehr und etwa Ärzt*innen als gleichartige Berufsgruppen dargestellt werden. Allerdings sollte eigentlich gerade hier genau unterschieden werden, denn Cop zu werden ist definitiv nicht das gleiche wie Ärzt*in zu werden. Und wenn wir alleine die Nachrichten der letzten Wochen Revue passieren lassen, sollte auch klar sein, dass die Unterschiede (Stichwort rassistische Polizeigewalt) ziemlich große sind. Wer sich dafür entscheidet, Cop zu sein, Gewalt für den Staat auszuüben und in Reih und Glied mit den rassistischen Kolleg*innen zu stehen, trifft bewusst diese Entscheidung. LGBTIQ zu sein, ist keine Entscheidung. Nach der Arbeit ist die Arbeit vorbei, das Leben als queere Person hingegen läuft weiter. Das Gleiche gilt für rassifizierte Personen und hier zeigt sich nochmal ein besonderer Rassismus: Gerade nach den letzten Monaten sollte allen klar sein, dass es ein rassistisches Polizeiproblem nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland gibt. Und auch direkt vor unserer Haustür häufen sich die Meldungen über extrem rechte Bullen, ob in Frankfurt, Wiesbaden, Marburg oder Kirtoff. Hessen bildet mehr einen Hotspot als eine Ausnahme was die deutschlandweiten Fälle von Netzwerken und NSU2.0-Drohungen von Nazibullen angeht. Dann von Rassismus Betroffen und Cops auf eine gleich schützenswerte Stufe zu stellen, ist ein Schlag gegen alle antirassistische Arbeit und rassifzierten Personen.

Mehr Respekt gegenüber Cops zu fordern ist aus noch einem anderen Grund dreist: Es handelt sich bei Cops um keine unterdrückte Gruppe – ganz im Gegensatz zu von Rassismus und/oder Queerfeindlichkeit betroffenen Personen.

Wenn die Stadt nun mehr Respekt für Bullen fordert, dann handelt es sich um die falsche Gruppe, der Solidarität geboten wird.

Tout le monde detèste la police! Ganz Marburg hasst die Polizei!

Gegenprotest zur Verschwörungskundgebung am 05.09.2020

Für Samstag, den 05. September, wird erneut zu Protesten gegen die Verschwörungsideolog*innen von Weiterdenken-Marburg aufgerufen. Treffpunkt ist um 14:15 Uhr am Erwin-Piscator-Haus. Den gesamten Aufruf sowie Hintergründe zu der Bagage aus Faschos, Impfgegner*innen und Antisemit*innen gibt es auf der Webseite der Genoss*innen der Initiative Kein Frieden mit Antisemiten.